Mit Bauchgefühl und Leidenschaft zur binationalen Doktorarbeit

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15/06/16

Tina Jühling fertigt eine binationale Doktorarbeit in Molekularbiologie und Biochemie in Leipzig und Strasbourg an. Die Bereicherungen durch den wissenschaftlichen Austausch an zwei Instituten und in zwei Ländern entschädigen sie für Nachteile wie den ortswechselbedingten Zeitverlust.

Für eine deutsch-französische Karriere hat sich Tina Jühling durch Austauschprogramme und als Au-pair in der französischen Schweiz früh entschieden. Ihre Stärken Biologie und Französisch hat sie im ersten Jahrgang des deutsch-französischen Bachelors in Molekularbiologie in Saarbrücken und Strasbourg kombiniert. Das Abschlusspraktikum in Strasbourg absolvierte sie dann in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Catherine Florentz, wo sie ihren heutigen Mann, damals Doktorand, kennenlernte. Sowohl der deutsch-französischen Linie als auch der Unistra bleibt sie treu und beginnt nach ihrem Master in Marburg eine binationale Doktorarbeit in Strasbourg und Leipzig.

Dafür charakterisiert Tina Jühling zwei Proteine, die dasselbe mitochondriale Molekül prozessieren. Ihre Arbeitsgruppe in Leipzig ist auf das eine und die in Strasbourg auf das andere Protein spezialisiert. Daher rührt die Logik ihrer Forschungsaufenthalte: Im binationalen Vertrag hat die Doktorandin mit ihren Betreuern Prof. Dr. Mario Mörl und Prof. Dr. Catherine Florentz den Ablauf der Cotutelle so strukturiert, dass sie von Oktober 2013 bis Mai 2015 in Leipzig und dann eineinhalb Jahre in Strasbourg forscht. Eingeschrieben ist sie in beiden Universitäten und folglich auch Doktorandin beider Institutionen. „Als ich vor einem Jahr hier angefangen habe, brauchte ich erst einmal Zeit, um mich einzuleben“, erzählt Tina Jühling, die für die Mobilität von der Deutsch-Französischen Hochschule finanziell unterstützt wird. Mit dem Ortswechsel musste sie sich neu in Literatur einlesen, sich im neuen Labor zurechtfinden und neue Methoden lernen.

Bereicherung durch zwei Institute in zwei Ländern

Trotz der zeitintensiven Mehrarbeit, die zwei Forschungsorte, Arbeitsgruppen und Sprachen mit sich bringen, überwiegen die Vorteile. „Ich habe das Gefühl, in einem viel weiteren wissenschaftlichen Umfeld zu arbeiten: Man hat viel mehr Austausch mit Wissenschaftlern“, freut die Doktorandin. „Menschen und Erfahrungen, denen man in gleich zwei Instituten in zwei Ländern begegnet, sind eine Bereicherung. Durch die verschiedenen Mentalitäten, Methoden und Strukturen wird man flexibler und kann sich besser anpassen.“

Sprachlich stößt Tina Jühling selten an ihre Grenzen. Nur, wenn sie bei Präsentationen spontan auf Fragen antworten soll, fehlen ihr manchmal die Worte. Ihre Arbeit verfasst sie auf Englisch, auch die Verteidigung wird auf Englisch stattfinden. Für die Zeit nach ihrer Doktorarbeit hat Tina Jühling noch keine konkreten Pläne. Vorerst kann sie sich gut vorstellen, weiter in der Forschung zu bleiben. Ihr Mann, der aktuell am Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) arbeitet, und sie sind geographisch europaweit offen.

Unabhängig vom Thema, für das man leidenschaftlich brennen sollte, rät Tina Jühling Forschenden, die an einer binationalen Doktorarbeit interessiert sind, vorab beide Arbeitsgruppen zu treffen und aufs Bauchgefühl zu hören: „Oft funktionieren Experimente nicht, weswegen es umso wichtiger ist, eine angenehmen Arbeitsatmosphäre mit netten Kollegen zu haben, die einen aufbauen.“

Miriam Hagmann-Schlatterbeck